Was genau bedeutet „Re-Use“?

Re-Use bedeutet ausnahmsweise genau das, was die wörtliche Übersetzung aus dem Englischen meint: Wiederverwendung.

Im Sinne von Nachhaltigkeit eingebürgert hat sich der Begriff Re-Use als Gegenpol zum Re- und Upcycling. Beim Recycling werden Gegenstände industriell bearbeitet und wieder zu Rohstoffen gemacht, aus denen dann neue und auch ganz andere Produkte entstehen können. Beim Upcycling wird aus alten Gegenständen bzw. aus ihren Bestandteilen oder aus Kombinationen ein neuer Gegenstand hergestellt. So gut wie immer ist hier Kreativleistung dabei und die „neu“ geschaffenen Produkte oder Kunstwerke unterscheiden sich in Form oder Funktion von den Ausgangselementen. Eine Wiederverwertung ist es aber allemal.

Unter Re-Use, also Wiederverwendung, versteht man das Wieder-in-Verwendung-Bringen ein und desselben Gegenstandes. Kauf oder Verkauf in Second-Hand-Läden beispielsweise führen zu Re-Use. Ebenso das Spenden oder Verschenken von funktionstüchtigen alten Gegenständen und Kleidern, damit andere Menschen sie nützen können.

48er Tandler, Re-Use-Boxen, Second Hand und Spenden

In Wien ist der 48er-Tandler ein klassisches Beispiel für die Forcierung von Re-Use, in diesem Fall durch die Stadt selbst. Auf allen Mistplätzen stehen große und wetterfeste Sammelcontainer, in denen man seine ausgemusterten, aber guten Sachen spenden kann. Diese werden gesichtet, bei Bedarf aufpoliert und dann im 48er Tandler günstig verkauft. Der Erlös wird gespendet. Zudem kann jeder auf den Mistplätzen gespendete Bücher aus dafür umgebauten alten Telefonzellen gratis entnehmen. Wenn geht zum Lesen (= Re-Use), nicht fürs Lagerfeuer (das wäre nicht einmal Recycling). Wer aus den Büchern einen Hocker bastelt, würde zumindest upcyceln.

In Graz ist 2014 die Re-Use Box – eine Schachtel aus Karton – als erstes mobiles Sammelsystem für wiederverwendbare Kleinwaren in Österreich an den Start gegangen. An mehreren Ausgabe- und Rücknahmestellen wird sie von der Arge Abfallvermeidung an die Bevölkerung ausgeteilt, mittlerweile gibt es sie auch in anderen Bundesländern und sogar in Italien und Deutschland – eine Liste findet sich HIER. Die gesammelten Waren werden von den beteiligten Betrieben der Sozialwirtschaft sortiert, zur Wiederverwendung vorbereitet und in Re-Use Shops verkauft.

Übrigens: Re-Use geht sogar ganz privat daheim 😉 Einfach alte Dinge wieder benützen, anstatt sie wegzuwerfen. Vergessliche Menschen tun sich da bei Büchern leicht, Fashionistas finden sicher was im Kleider- und Schuhschrank ganz hinten, das mittlerweile wieder vintage oder schön retro ist. Und ich schwöre: Ich verwende noch immer den Handmixer meiner Omi. Ja, auch wegen der liebevollen Erinnerungen. Aber warum einen neuen kaufen, wenn das gute Stück problemlos läuft?

Text ♥ lui   © Illustration: Arge Abfallvermeidung